Um das Gelee royale(Königinnenfuttersaft) ranken sich Legenden: Als Schönheitsmittel, Jungbrunnen und nicht zuletzt als lebensverlängerndes Elixier wird es im Bereich Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Doch wer weiß, was Gelee royale - das "königliche" Gelee - in seinem Ursprung eigentlich ist? Nein, es handelt sich nicht um Marmelade - allerdings um ein absolut hausgemachtes Produkt der Arbeiterinnenbienen eines Bienenvolks!

Die Arbeiterinnen, die mit der Brutpflege betraut sind, produzieren in ihren Futtersaft- und Oberkieferdrüsen ein Gemisch, mit dem zunächst die kleinsten Bienenkinder gefüttert werden: Alle bis zu drei Tage alten Maden erhalten diese Nahrung. Nach dieser Zeit werden die Arbeiterinnenlarven mit dem Bienenbrot weiterversorgt, einem Gemisch aus Honig und Pollen. Lediglich die Königin - sie wird in einer Zelle aufgezogen, die sich ganz deutlich von den herkömmlichen Zellen auf der Wabe unterscheidet - wird auch weiterhin mit dem Gelee royale gefüttert. Wohlgemerkt: Die befruchteten Eier, die eine Königin für den Nachwuchs ablegt, unterscheiden sich in ihren Eigenschaften nach der Eiablage zunächst nicht. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft gilt es als gesichert, dass erst das Gelee royale die Entstehung einer Königin ausmacht. Diese Mischung aus extrem vielen, hochwertigen Eiweißen, aus Zucker, Mineralstoffen, Vitaminen und Pantothensäure bewirkt die Ausbildung der mächtigen Geschlechtsorgane. (Zum Vergleich: Die Königin besitzt in ihren paarweise angelegten Eierstöcken 300 und mehr Eierschläuche - eine Arbeiterin hingegen verkümmerte 6 bis 10 Schläuche). Außerdem hat die Königin besonders ausgebildete Mandibeldrüsen. Hierin produziert sie die sogenannte Königinnensubstanz, ein Stoff, der das Gefüge des Bienenvolks zusammenhält und für einen geregelten Ablauf aller Vorgänge im Bienenvolk sorgt.

Gelee royale kann nicht im "normalen" Imkerbetrieb gewonnen werden. Um an dieses Wundermittel zu kommen, müssen in einem Bienenvolk möglichst vielen Königinnenzellen vorhanden sein. Das geschieht nur in der kontrollierten Königinnenzucht, wobei die Zucht nicht zu Ende geführt wird: Wenn die kleinen Maden drei Tage alt sind, schwimmen sie regelmäßig in einem See aus Gelee royale. Zu diesem Zeitpunkt wird die Zucht abgebrochen und das Gelee royale "geerntet". So kann man von einem Bienenvolk über das Imkerjahr hinweg ungefähr 500g Gelee royale gewinnen. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass die ständige Aufzucht von Königinnenzellen das Bienenvolk erschöpft und hohem Stress aussetzt.