Andreas imkert - wie fast alle unsere Mitglieder in der Zanderbeute und hat in den letzten Jahren eine Vielzahl derartiger Beuten beschafft. Wie alle Neuimker der letzten zehn Jahre imkerte er zunächst nach der in unseren Kursen vermittelten Betriebsweise von Gerhard Liebig (Hohenheimer Betriebsweise), hat aber recht schnell auch die Nachteile dieser Betriebsweise erkennen müssen.
Seit drei Jahren experimentiert er mit dem angepassten Brutraum bzw. wendet diese Betriebsweise bei sich nun vorwiegend an. Sein Honigertrag ist seitdem gestiegen, sein notwendiger Arbeitsaufwand hat sich verringert. Bei der Demonstration seiner beiden Bienenvölker auf unserer Bienenwiese konnten wir zunächst den Zustand dieser beiden Völker begutachten und wurden dann in die im Jahreskreis notwenigen Tätigkeiten eingeführt.


Das Prinzip des angepassten Brutraumes berücksichtigt zunächst die Bedürfnisse der Bienen im zeitigen Frühjahr, die Brut effizient warm zu halten und Wärmeverluste zu reduzieren. Entgegen der Hohenheimer Betriebsweise mit offenem Gitterboden wird der Brutraum nach unten hin entweder durch die dauerhaft eingelegte Varroaschublade oder ein Wärmebrett gedämmt und das Flugloch auch im Winter und Frühjahr eng gehalten.

Am Anfang steht jedoch der Ableger bzw. das Jungbienenvolk mit einer neuen Königin im Vorjahr. Andreas züchtet seine Königinnen selber und betreut seit 2014 auch unsere Königinnenzuchtkurse im Verein. Der Ableger wird standardmäßig bis September auf 10 Zanderwaben erweitert und Einräumig (auf einer Zarge) eingefüttert. Vor dem Winter wird jedoch bereits auf Pollenwaben besonderes Augenmerk gelenkt. Pollenwaben sollten vor der Einwinterung/Einfütterung entfernt werden. Bis Anfang Februar wird dieser dann "standardmäßig" weitergeführt, d.h. Andreas lässt ab Herbst entgegen anderer Anleitungen auch den Gitterboden und das Flugloch offen, dass die Königin rechtzeitig zur Varroabehandlung eine Brutpause einlegt. Eine Fluglochverkleinerung findet wie die Windeleinlage zur Brutnesttemperatursteuerung erst nach der Oxalsäurebehandlung statt. Im zeitigen Frühjahr nimmt die Bruttätigkeit standardmäßig wieder zu. Hier beginnen nun die ersten lenkenden Eingriffe zur Brutraumbegrenzung. Bei der ersten Fruhjahrsdurchsicht werden die existierenden Brutwaben identifiziert und zunächst alle leeren Futterwaben entfernt. Waben mit Restfutter werden zunächst zur Seite genommen. Die Waben mit Brut werden an die Beutenwand geschoben und zunächst zur Beutenmitte mit einer Futterwabe begrenzt.
An die Futterwabe kommt nun ein Schied in der Größe einer Zanderwabe, das ebenfalls einen seitlichen Durchgang von 6-8 mm zur Beutenwand ermöglicht. Nach unten hin ist das Schied genau so gross wie ein Zanderrähmchen. Hinter das Schied kommen zunächst zwei weitere Futterrähmchen, aus denen die Bienen bei Bedarf Futter umtragen können, welche aber nicht zu einem Wärmeverlust im Brutnest beitragen. Der Raum, der den Bienen zur Verfügung steht, ist nun auf die existierenen Brutwaben beschänkt. Diese sollen nun vollständig mit Brut belegt werden, bevor mit einer weiteren ausgebauten und ausgeschleuderten Honigwabe aus dem Vorjahr seitlich erweitert wird. Die Erweiterung erfolgt aber erst, wenn die bestehenden Brutwaben nahezu vollständig mit Brut belegt sind. Schwache und normale Völker wachsen so bis Anfang April auf 5-7 Waben, starke Völker auch auf 8-9 Waben.

Ende März, Anfang April, also zu Beginn möglicher Trachteinträge wird der Honigraum über Absperrgitter aufgesetzt, viel früher als sonst üblich. Beim Absperrgitter, das den Brutraum vom Honigraum trennt, ist der Beespace zwischen Oberträger und ASG einzuhalten, nur wenige ASG-Rahmen der Standardlieferanten erfüllen diese Anforderung.

Im ersten Honigraum wird nun aller Honig eingetragen, da im Brutraum dafür kein Platz besteht. Bei kühler Witterung wie 2017 wird dann aber auch wieder Futter aus dem Honigraum abgetragen. Über dem Brutnest ensteht das virtuelle Brutnest , somit hungert kein Volk. Auch hat das Bienenvolk Platz nach oben, der Brutraum wird schneller angenommen, die Völker sind leichter zu kontrollieren. Sobald der Honigraum aufgesetzt wird, wird auch die letzte Futterwabe hinter das Schied gehängt bzw. bei ausreichend Honig im Honigraum auch entfernt. Der Platz hinterm Schied bleibt leer. Bei Brutzunahme wird mit ausgebauten Mittelwänden seitlich erweitert. Wird das Drohnenrähmchen eingesetzt, kommt dieses direkt an den Schied, also an den Rand des Brutnestes. Tragen die Bienen übermäßig Pollen ein und entsteht ein Pollenbrett, wird auch dieses frühzeitig entfernt, da bei Blüte immer genug frischer Pollen eingetragen wird. Nur Sammelbrutableger benötigen noch ein Pollenbrett.



Der einräumige, angepasste Brutraum stellt sicher, dass die Brut nicht durch Neckareintrag abgeschnürt wird, der Schwarmtrieb wird vermindert, statt wie oftmals behauptet verstärkt, die Kontrolle des Brutraumes auf Schwarmzellen ist trotz der nicht möglichen Kippkontrolle leicht durchführbar, da i.d.R. nur maximal 9 Brutwaben und ein Schied im Brutraum vorhanden ist. Ein Brutraum reicht meisst für unsere Bienenvölker aus, obwohl Zander - kleiner als Dadant - nicht die größte Zarge ist. Auch die Wabenhygiene im Brutraum ist problemlos durchführbar, da mit ausgebauten Waben ein Wabentausch auch unter dem Jahr möglich ist und Randpollenwaben immer wieder entnommen werden.

Danke an Andreas für diese interessante und kurzweilige Demonstration Deiner Betriebsweise!

Einen weiteren Einblick werden wir während des bald beginnenden Königinnenkurses 2017 bestimmt bekommen. Weitere Details sind auch über die links dargestellten Links und PDF-Dokumente erhältlich.
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