Schwarmkontrolle

Zwischen Ende April und Mitte Juni kommen Bienenvölker bei guter Tracht und damit auch zunehmender Volksstärke in die "Schwarmstimmung". Dabei fangen die Bienenvölker an, sich eine oder viele neue Königin heranzuziehen. Sobald die Schwarmzellen verdeckelt sind, beenden die Bienen, die aktive Königin mit Gelee Royal zu füttern. Die Königin speckt ab und wird wieder flugfähig. Gleichzeitig hört aber auch die Königin auf, weitere Eier zu legen.
Ein weiterer Effekt ist, dass die Flugbienen kaum noch Nektar eintragen. Der Imker hat kein Interesse daran, dass die die Hälfte oder mehr Bienen mit der alten Königin abschwärmen und er den Schwarm in Nachbars Garten fangen darf, falls er dazu überhaupt noch kommt.
Spätestens ab Anfang Mai muss der Imker alle 8 Tage bei den Bienenvölkern die Schwarmkontrolle durchführen, eine Tätigkeit, die "streng" nach Kalender durchgeführt werden muss. Eine neue Königin wird nach der 3-5-8-Regel nach 16 Tagen schlüpfen, somit sollte der Imker spätestens alle 10 Tage die Schwarmkontrolle sorgfältig durchgeführt haben. Wie im Video von "Simon Hummel" rechts zu sehen ist, eine aufwändige Arbeit.

Schröpfen und Drohnenbrutentnahme

Anfang Mai reicht das Zellenbrechen nicht mehr aus. Täglich schlüpfen in einem starken Bienenvolk bis zu 2000 Bienen, die Bienenmasse nimmt stark zu, die Schwarmstimmung steigt. Für den Eintrag von Nektar ist die gute Volksstärke von Vorteil, doch führt die Zunahme der Volksstärke dann auch zu Unruhe im Volk. Die Bienen merken, daß die Volksstärke zunimmt und damit nimmt auch die Schwarmstimmung zu. Zwar wird in dieser Zeit aus dem Bienenvolk alle zwei Wochen ein Baurahmen mit Drohnenbrut entnommen, doch muss nun auch Bienenbrut entnommen werden, die dann in einen Sammelbrutableger vereint wird. Da der Imker spätestens Mitte Mai Ableger bildet und somit gezielt auch Königinnen schlüpfen lassen möchte, werden hier ausgewachsene Drohnen zur Befruchtung der neuen Königin am Bienenstand benötigt. Von Völkern mit guten Eigenschaften lässt man dabei Drohnen schlüpfen, die sich bis zur Fruchtbarkeit gut entwickeln können. Somit muss der Imker auch die Drohnenbrutentnahme mit Bedacht vornehmen. Der Drohnenrahmen, auch Baurahmen genannt, ist der Schwarmindikator im Bienenvolk schlechthin. Der Imker "liest" am Baufortschritt des Baurahmens einfach ab, ob die Bienen langsam in Schwarmstimmung gelangen. Werden am Baurahmen Weiselzellen angelegt, ist größte Vorsicht angesagt. Wird der Baurahmen gleichmäßig und flächig ausgebaut und bestiftet, ist noch etwas "Zeit".

Ablegerbildung

Bei der Bildung von Ablegern gibt es unterschiedliche Varianten. Diese hängen davon ab, ob der Imker über Nachschaffungszellen oder über die Königinnenzucht zu neuen Königinnen gelangen möchte. Hier zeigen wir eine Variante, wo bewusst mit Nachschaffungszellen gearbeitet wird. Anfänger mit wenigen Bienenvölkern vermehren idealerweise über starke Ableger, denen Waben mit Weiselzellen eingehängt werden. Diese Variante ist einfach und sicher. Zudem werden die optimal gefütterten Königinen aus dem Altvolk übernommen.
Idealerweise hat der Imker mehrere Bienenstände, die mehr als 3 Kilometer entfernt sind. In diesem Fall entnimmt der Imker bis zu vier Brutwaben mit einer oder mehreren Schwarmzellen aus der Beute und hängt diese mit mindestens einer Futterwabe und einer Leerwabe in einen Ablegerkasten um. Die Königin darf in diesem Fall natürlich nicht mit in den Ableger gelangen. Will man hier sicher sein, werden die Brutwaben mit Weiselzellen bzw. auch die Brutwaben ohne Weiselzellen, die für den Ableger bestimmt sind, abgekehrt und dann eine Nacht über das Absperrgitter in den Honigraum gehängt (dies ist eine hygienisch zulässige Maßnahme). Am nächsten Tag sind alle Brutwaben im Honigraum wieder voll mit Pflegebienen und die Rähmchen können gefahrlos umgehängt werden. Dann wird der Ableger an den Ablegerstand (mindestens 3 km entfernt) umgezogen. Am Ablegerstand sollte ein Volk mit guten Drohnen zur Befruchtung der schlüpfenden Königin vorhanden sein.

Ablegerbildung mit nur einem Bienenstand

Imker, die nur einen Bienenstand haben, müssen bei der Ablegerbildung anders vorgehen. Idealerweise starten Standimker (auch Stadtimker) die Ablegerbildung nach der Haupttrachtzeit Mitte Mai. Diese Form der Ablegerbildung ist eine Sonderform unter Nutzung von Flugling und Brutling. Der Ableger wird der Flugling, das Wirtschaftsvolk der Brutling. Hat das Wirtschaftvolk mehrere Weiselzellen angesetzt bzw. auf mehreren Rähmchen Weiselzellen, werden zunächst wie oben die Brutbretter abgekehrt und die Rähmchen eine Nacht in den Honigraum gehängt und das Flugloch wie beim Wandern verschlossen. Dieses Vorgehen hat für die nachfolgenden Tätigkeiten viele Vorteile.

Am nächsten Tag zieht das gesamte Wirtschaftsvolk samt Honigraum am Bienenstand um. Das Volk wird mindestens 3 Meter verstellt (in Ausnahmefällen gehen auch kürzerer Distanzen). Aus dem Honigraum werden die Brutbretter mit dem Weiselzellen entnommen (vollbesetzt mit Ammenbienen) und in einen Ablegerkasten gesetzt. Der Ablegerkasten wird dann am alten Standort des Bienenvolkes aufgestellt. Dieser Ableger ist nun der Flugling. Das Flugloch des Wirtschaftsvolk wird nun geöffnet. Jede Flugbiene des Wirtschaftsvolkes, die sich zuvor schon eingeflogen hat, wird nun nach Verlassen des umgestellten Kastens nicht mehr in diesen zurückkehren, sondern an den alten Platz des Wirtschaftsvolkes, also in den Flugling zurückkehren. Damit wird aus dem Wirtschaftvolk der Brutling, nur Brut und Ammenbienen bleiben am Standort des Wirtschaftsvolkes, welches durch diese Maßnahme so "geschröpft" wird, dass die nächsten Wochen an Schwarmstimmung nicht mehr zu denken ist.

Nachteil ist, dass der Brutling nun eine Woche keine Honigzunahme mehr verzeichnen wird, daher entscheidet der Imker je nach Stärke des Fluglings, ob er den bestehenden Honigraum nun auf den Flugling aufsetzt, also einen Ableger mit Honigraum entstehen lässt. Der Autor praktiziert diese Form der Völkerführung seit mehreren Jahren erfolgreich.