Die Varroamilbe ist der schlimmste Bienenfeind, den wir in in Deutschland seit 1977 kennen.

Einige Jahre vor 1977 wurden durch ein Bieneninstitut in Hessen östliche Honigbienen zu Versuchszwecken aus Asien eingeführt. Durch ein Missgeschick entwichen einige befallene Bienen. 1977 wurde der Parasit erstmals in Hessen entdeckt. Heute - 35 Jahre später ist die Varroamilbe in weiten Teilen der nördlichen und südlichen Hemisphäre verbreitet, eine Folge der Globalisierung. Hätte uns Oberursel die Milbe nicht gebracht, wäre sie ein paar Jahre später auf anderem Wege eingereist.

Die Varroamilbe ist ein sog. Ektoparasit, also ein Parasit, der auf der Oberfläche des Wirttieres lebt. Die Varroamilbe ist dabei im Verhältnis zur Grösse des Wirtes der größte Parasit der im Tierreich derzeit bekannt ist. Die Milbe ist ca. 1.1*1.7mm groß. Sie schieb sich mit dem abgeflachen Körper zwischen die Bauchschuppen der Biene, durchsticht mit den scharfen Mundwerkzeugen die weichen Häute der Biene und saugt die Hämolymphe (das Bienenblut) aus.

Würde die Milbe nur auf ausgewachsenen Bienen im Bienenstock ihr Unwesen treiben, könnten Imker dies noch mit den heute bekannten Varroagegenmitteln gut in den Griff bekommen. Das Hauptproblem mit der Milbe ist jedoch, dass sich diese in den Brutzellen der Biene fortpflanzt und die Nachkommen in der Brutzelle aufzieht. Die Milben legen ihre Eier auf die Bienenlarve, die Jungmilben schlüpfen und nutzen die Bienenlarfe als Futterquelle. Dabei saugen die Milben nicht nur die Hämolympe der Bienenlarve sondern fressen auch an Flügeln und Beinen der sich entwickelden Biene. Die Folge: deformierte und lebensunfähige Bienen schlüpfen zusammen mit unzähligen weit entwickelten Jungmilben aus der Eizelle, welche sofort wieder eine frische Brutzele suchen, um ebenfalls neue Nachkommen zu zeugen.

Der Fortpflanzungszyklus der Varromilbe ist eng mit dem der Biene verknüpft. Bevorzugt sucht die Varroamilbe Drohnenbrut (männliche Bienen), da diese drei Tage länger in der verdeckelten Wabe bleiben und somit die Milbe länger Zeit hat, sich ungestört zu entwickeln. (1) In Zeiten, wo keine Brut in den Bienenvölkern vorhanden ist, leben die Varroamilben auf den Bienen im Bienenstock und saugen die erwachsenen Bienen aus. Dies ist vor allem in den Wintermonaten ein Problem, da hier ohne Behandlung durch den Imker der Zusammenbruch des Volkes vorprogrammiert ist.

(2) Die erste But nach dem Winter ist hochgefährdet, hat die Winterbehandlung des Imkers versagt. Die Pheromonsignale der Bienenlarve, die bereit für die Verpuppung sind, ziehen die befruchteten erwachenen weiblichen Milben magisch an. Am 9.Tag nach der Eiablage beginnen die Bienen die die Eizelle zu verdeckeln, Zeichen für die Milben, das es Zeit wird, den Wirt zu suchen, der ab sofort nicht mehr von Bienen gepflegt wird.
(3) Das Milbenweibchen versteckt sich unter der Bienenlarve, während die Arbeitsbienen die Zelle verschließen.
(4) Die junge Larve bietet bestes Futter für die Milbe, die Milbe saugt sich voll mit den Hämplythen der Larve
(5) Nach etwa 60 Stunden beginnt die Milbe ihr erstes Ei auf die Larve zu legen. Aus dem ersten Ei wird sich eine männlich Milbe entwickeln. Jede Stunde wird ein weiteres Ei gelegt, 30 Stunden lang, aus jedem dieser Eier wird sich eine weibliche Milbe entwickeln. 31 Nachkommen aus einer Muttermilbe

(6) Aus den Varroaeiern werden Varroalarven, die Larven wachsen und entwickeln sich schnell. Die Bienenlarve ist das Futter für die Milbenlarven. Das Milbenmännchen braucht nun 5-6 Tage bis es sich soweit entwickelt hat, dass es geschlechtsreif ist, die weiblichen Varrolarven brauchen 7-8 Tage bis zur Geschlechtsreife.
(7) Die männliche Milbe wird sich nun mit jeder seiner Schwestern paaren, jede Stunde wird eine weitere Schwester die Geschlechtsreife erfahren
(8) Wenn nun die weiblichen Biene nach 12 Tagen schlüpft und den Zelldeckel durchnagt (falls sie überhaupt die Entwicklung überlebt hat), beendet sie damit die Entwicklungsmöglichkeiten der jungen Milben. Bienendrohnen benötigen drei Tage länger zur Entwicklung und geben somit den Milben drei Tage länger Zeit, sich zu entwickeln.
(9) Reife Varroaweibchen, die aus der Zelle schlüpfen sind lebens- und fortpflanzungsfähig. Diese suchen sich direkt nach dem Schlupf eine Wirtsbiene, welche sie dann zu einer neuen Bienenbrutzelle bringen wird. Die unreifen Milben verlassen die Zelle nicht und werden von Putzbienen beseitigt.
(10) Wenn nur 10 der 30 Nachkommen der Muttermilbe überleben und sich wieder eine Bienenlarve suchen können, beginnt der Teufelskreis der exponentiellen Vermehrung.