Besuch bei Gabi Schneider und Jens Fessmann aus Heilbronn. Agriturismo Cascina Cerea hat eine Attraktion mehr, die beiden "Neuimker" aus Heilbronn haben 2008 im südlichen Piemont für sich und interessierte Besucher das Paradies neu geschaffen.


Im April 2016 hat Jens seinen biozertifizierten, landwirtschaftlichen Betrieb um eine eigene Imkerei erweitert und imkert in Dadantbeuten mit der italienischen Biene Apis Mellifera Ligustica, die weltweit die am weiteste verbreitete Bienenrasse ist. Beim Besuch in Rocca Ciglie im Mai 2016 durften wir der mehrmaligen Durchsicht der beiden neuen Bienenvölker beiwohnen. Die Apis Mellifera Ligustica ist eine sehr ruhige Biene, die Wabenstetigkeit war bemerkenswert. Für uns "Württemberger" sind die Dadant-Beuten eher ungewöhnlich, doch ist Dadant in Italien die übliche Beute, die - wie die Ligustica - weltweit ebenfalls am weitesten verbreitete Beute sein soll. Die im Vergleich zur Zander größere Brutwabe lässt sich sehr einfach bearbeiten.

In der Umgebung seines Betriebes auf 610 Meter Höhe hat Jens in den letzten Jahren keine Bienenvölker mehr gesehen, so dass die Bestäubung seiner Obstplantagen nicht mehr gewährleistet ist. Das nur wenige Kilometer entfernte Tanaro-Tal liegt dagegen auf 350 Meter Höhe und wir von Wanderimker stark genutzt. Während unserem Aufenthalt sahen wir hier zahllose Völker in den Akazienheinen.

Jens startete wie unsere Neuimker im April 2016 mit zunächst zwei Bienenvölkern auf 6 Dadantwaben, die mit drei zusätzlichen Rähmchen mit Mittelwänden und einem Drohnenrähmchen erweitert wurden. Im Gegensatz zu unseren Neuimkern bringt sich Jens das notwendige Wissen selber bei. Einen Kurs oder regelmäßige Anleitungstermine stehen ihm nicht zur Verfügung. Bereits Ende April wurde im linken Volk (v.h.) eine Schwarmzelle angesetzt, die nicht bemerkt wurde, so dass hier schon vor unserer Ankunft die alte Königin abgeschwärmt ist. Das Volk wurde bei unserer ersten gemeinsamen Durchsicht schon als weisellos oder mit noch nicht begatteter Königin identifiziert, da keinerlei offene oder verdeckelte Brut mehr gefunden wurde. Das rechte Volk dagegen ist sehr stark, die gezeichnete Königin wurde sofort entdeckt. Wir beschlossen hiervon sofort einen Einwabenableger zu bilden. Da dieses Volk keine Schwarmzellen angesetzt hat, wurde der Ableger nur mit eintägigen Eiern, welche mit blossem Auge nicht zu sehen waren, gebildet. In der Vergrößerung der Bilder am Computer sind dann die frischen Eier zu sehen gewesen.

Der Brutableger wurde nach 4 Tagen nochmals kontrolliert. Dabei wurden dann zum Glück genug Nachschaffungszellen entdeckt, so dass der Ableger nicht verstärkt werden musste. Im linken, abgeschwärmten Volk wurde auch nach vier Tagen keine frische Brut entdeckt, sodass wir uns entschlossen haben, hier eine frische Brutwabe oder eine Wabe mit einer Weiselzelle aus dem anderen Volk zuzusetzen. Auf dem Drohnenrähmchen würde eine Weiselzelle mit viel Gelee Royal entdeckt, die dann in das weisellose Volk umgehängt wurde. Normalerweise würde man die Drohnenwabe ausschneiden. Da aber kaum Bienen und somit kaum Drohnen in der Umgebung vorhanden sind, werden auch die Drohnen zur Begattung der Prinzessinnen benötigt, die erste Prinzessin könnte bereits keine Drohne gefunden haben.

Die Durchsicht der Waben im Dadantmaß ist wie schon eingangs erwähnt im Gegensatz zu unseren Zanderbeuten sehr einfach, da der Brutraum nicht geteilt ist. Durch Schiede wird der Brutraum den jahreszeitlichen Bedürfnissen angepasst, also verkleinert oder vergrößert, dass ein "angepasster Brutraum" geschaffen werden kann. Wird zunächst der Schied gezogen, können die Brutwaben leicht entnommen werden. Die Waben hängen in Wabenrechen, welche immer den korrekten Wabenabstand sicherstellen sollen - Die Wabenhygiene wird hier allerdings anderes als bei uns durchgeführt, da Honigwaben nach dem Ausschleudern nicht in den Brutraum gehängt werden können. Die Honigwaben sind deutlich kleiner als die Brutwaben.

Wir wünschen Jens beim Ausbau seiner Imkerei viel Erfolg, mal sehen, ob wir bald einen weiteren Erfahrungsbericht zugesendet bekommen. Weitere Bilder in unserer Bildergalerie

Text und Bilder: Stephan