Artenreiche Blühwiesen sind die Voraussetzung, dass Wildbienen überleben

Der Insektenschwund, auch in Baden-Württemberg, ist sehr problematisch. 208 von 460 vorkommenden Wildbienenarten in Baden-Württemberg sind vom Aussterben bedroht. 127 der 400 Schwebfliegenarten stehen auf der roten Liste, 16 der 32 Hummelarten stehen in Baden-Württemberg ebenso auf der roten Liste und deutschlandweit sind 80% der Schmetterlingsarten vom Aussterben bedroht. Das sind Zahlen die belegt sind und uns hellhörig werden lassen sollten.

Die Gründe hierfür ist der Wandel in der Landwirtschaft seit den 60er Jahren (Flurbereinigung), die intensive Landwirtschaft mit Vergrößerung der Flächen einzelner Felder, die intensive Bodennutzung mit immer weniger mehrjähriger oder dauerhaften Brachflächen, dem Pestizideinsatz gegen Insekten aber auch dem Herbizideinsatz gegen hochwertige Ackerbegleitflora und natürlich auch dem Wandel in den privaten Hausgärten (Sportrasen, Schottergärten, Gifteinsatz im Ziergarten).

Ein Beispiel für den Wandel in der Landwirtschaft ist, dass 98% der Heuwiesen verschwunden sind, wo sind sie hin? Heu wird in der modernen Landwirtschaft kaum mehr benötigt, Silage hat als einfach handhabbares Futter das Heu abgelöst. Für die Silageproduktion steht jedoch eiweißreiches Gras im Vordergrund, das trockene, blütenreiche Mahtgut der Heuwiesen ist hier unerwünscht. Mit dem Rückgang der Heuwiesen sind nicht nur große Blühflächen für Bienen (Wild- und Honigbiene) verschwunden, auch viele Vogelarten sind auf den Brutraum Heuwiese angewiesen welche nun die Brutflächen und Futterquellen verloren haben. Blühwiesen sind/waren Brennpunkte der biologischen Vielfalt.

Bei der Bewertung - von Blühflächen (Trachten) stehen nicht immer Maßstäbe der Imker im Vordergrund. Wir Imker nutzen für unsere Bienen gerne Massentrachten, die - aufgrund der Sammeleigenschaften unserer Honigbienen - sortenreine Honige ergeben. Honigbienen sind "blütenstet". Um diese Trachten nutzen zu können, wandern wir mit unseren Bienen die Trachtquelle an, wir Imker fahren unsere Bienenvölker in die Tracht, wir wandern. Wildbienen sind leider auch oft blütenstet, allerdings in einer anderen Form. Viele Wildbienen - und Schmetterlinge ebenso - sind Oligolektrisch, d.h. sie sind auf eine bestimmte Blütenart oder Pollenart angewiesen und befliegen keine andere Blüten. Diese Arten können mit Massentrachten der modernen Landwirtschaft nichts oder wenig anfangen.

Die Landwirtschaft und das Landwirtschaftministerium fördern Blühflächen mit dem Maßnahmenpaket "FAKT und Greening". Dabei gilt es die Bestimmungen zum Grünlandumbruch zu beachten. Für Grünland gelten Schutzvorschriften, aber auch Fristen, nach denen Ackerflächen, die in Blühwiesen verwandelt werden zu Grünland werden, die dann nicht mehr umgebrochgen werden dürfen. Die hier seitens der Landwirtschaft gerne genutzen Förderprogramme haben selbst nach Untersuchung und Erkenntnis der Agrarexperten kaum einen Nutzen für die Artenvielfalt

Sind FAKT Blühflächen bzw. #BWBLUEHTAUF in Baden-Württemberg also eine Mogelpackung?

Studien widerlegen Studien. Die Studie des ifls im Auftrag des Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden Württemberg spricht von positivem Ergebnis, während die Studie des UFZs zu einem anderen Ergebnis kommt. Auch die bayrische Akademie für Landschaftspflege kommt zu einem anderen Ergebnis, wie auch der LBV - Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V berichtet. Die FAKT-Blühwiesen sind keine grosse Bereicherung und ihr Geld nicht wert. An den FAKT-Blühflächen - die über Steuergelder finanziert werden wird kritisiert:

  1. Die Blühflächen werden nur für ein Jahr angelegt, i.d.R. im Herbst eingesät, im Folgejahr ab November wieder untergebrochen. Dabei findet vor der Aussaat und im Folgejahr vor dem Winter eine intensive Bodenbearbeitung statt, die bodenbrütende Insektenarten vernichtet. Wenn im Folgejahr Winterkulturen eingesäht werden, kann der Umbruch bereits im September erfolgen.
  2. Saatgutmischungen für FAKT-Wiesen werden nach ökonomischen Gesichtspunkten ausgewählt und zusammengestellt. Die in Baden-Württemberg ausgebrachte Saaten enthalten/enthielten Sorten, die hier nicht hingehören. Die Zahl der Pflanzenarten dieser Blühmischungen und auch die Zusammenstellung orientiert sich am Preis. In Baden-Württemberg kommen nur die billigsten Arten zum Einsatz. Dafür wird hier aber sehr viel Werbung gemacht. Der Wert dieser Arten für Wildbienen ist gering.
  3. Der Pflanzenbestand auf den FAKT-Blühwiesen ist zu hoch und zu dicht und enthält keine Gräser. Die Flächen sind so für Brutvögel als auch für Raubvögel ungeeignet. Die Zusammenstellung der Samen enhält keine der Arten, die oliolektrische Wildbienen benötigen. Hochwertige Samenmischungen kosten etwas mehr und bringen dann auch mehr für unsere Wildbienen.

Zahlreiche Initiativen in der Region treten an, die Blühdichte zu erhöhen

In zahlreichen Gemeinden werden Projekte gefördert, die zum Erhalt oder zur Steigerung von Blühflächen dienen sollen. Die Gemeinde Obersulm legt Blühstreifen an, Bretzfeld beteiligt sich am Blühprojekt der Naturparke doch es ist erst ein Anfang und die Flächen sind noch zu klein. Über die Naturparke in der Region und einen Lebensmittelmarkt werden zunehmend Schulungsmaßnahmen gefördert, die Projekte initiieren sollen, mehr hochwertige Blühflächen anzulegen.

Hochwertige Blühflächen und damit wertvolle Trachtquellen gehen anders

Wildblumenwiesen unterscheiden sich grundlegend von FAKT-Blühwiesen. Wildblumenwiesen werden für mehrere Jahre angelegt, das Saatgut enthält vorwiegend mehrjährige Arten und auch einen hohen Wildgrasanteil. Wildkräuter und Gräser müssen in einem guten Verhältnis zueinander stehen, dass Wildblumenwiesen über mehrere Jahre auch ein gutes Gefüge aufweisen. Die Samenmischungen werden auf die Bodenverhältnisse abgestimmt. Dabei ist auf die a) Feuchte des Bodens, b) den Säuregrad, c) den Nährstoffgehalt, d) die Lage (Lichtzahl), und auch auf bereits vorhandene Arten/Samen im Boden zu achten, sprich der Fachberater wählt entsprechend der Ellenbergzahlen . Bei der Auswahl des Saatguts werden neben den Ansprüchen der Pflanzen an den Standort das Vorhandensein von Zeigerpflanzen ausgewertet, bevor eine Bodenbearbeitung stattfindet. Danach wird das Saatgut je nach Möglichkeiten des Fachberaters individuell zusammengestellt. Basis bildet hierbei hochwertiges regionales Saatgut, oder aber hochwertige Blühmischungen regionaler Samen die auf entsprechende Einsatzorte abgestimmt sind. Dieser Aufwand ist nur gerechtfertigt, sollen die Blühwiesen sowohl für die Bienen/Insekten, als auch für den Betrachter für viele Jahre eine Bereicherung der Landschaft sein und auch einen nachhaltigen Nutzen für die Artenvielfalt bringen.