Zahlreiche Insektenarten sind auf natürliche Lebensräume angewiesen. Die Honigbiene ist nur eine von über 550 Bienenarten, die es in Deutschland gibt. Also über 550 Wildbienenarten leben neben der Honigbiene in Deutschland und benötigen dringend unsere Unterstützung. Die wichtigste Unterstützung ist hier, dass geeignete und in der Zahl und Lage ausreichende Lebensräume geschaffen, die mit geeigneten heimischen Pflanzen besiedelt werden, um den vom Aussterben bedrohten Arten ein Überleben zu garantieren.

Basis bildet hierbei der Lebensraum Blühwiese
Lebensraum Blühwiese
Alle Maßnahmen, die wir als Imker und Naturschützer durchführen und initiieren, basieren auf der Nahrungskette der Biomasse in Feld und Flur. Nur auf entsprechenden Böden können Pflanzen wachsen, die Nahrungsquelle der Insekten sein können (dabei soll die unterirdische Nahrungskette nicht vergessen werden, denn einige Insekten leben Zeiten ihrer Entwicklung im Boden und auch das Gefüge des Bodens ist von Bedeutung, denn Insekten können sich in Böden, die mehrfach im Jahr mechanisch bearbeitet werden, nicht mehr entwickeln. Wann haben Sie den letzten Maikäfer gesehen? )

Etwa 75% aller Wildbienenarten sind Bodenbrüter. Sie benötigen sandige bzw. lehmige Böden, ohne bzw. mit wenig Bewuchs, die ein festes Bodengefüge aufweisen und nicht mechanisch bearbeitet werden, also auch mehrjährige Brachflächen. Derartige Flächen stehen in unserer intensiv landwirtschaftlich genutzten Agrarlandschaft kaum mehr zur Verfügung.

Insektenhotels also nur für 25% der Wildbienen

Wenn wir also Insektenhotels aufstellen, profitieren davon nur 25% aller Wildbienenarten und auch nur dann, wenn die Wildbienen im direkten Umfeld auch Nahrung finden. Viele Wildbienenarten sind sog. oligolektische Insekten, also an eine bestimmte Pollenart gebunden. Details hierzu lesen Sie bitte in dem vorstehenden Link zu www.wildbienen.info . Diese Wildbienenarten können also nur überleben, wenn die benötigte Pollenart, also Blühpflanze in ausreichender Zahl vorhanden ist. Es bringt diesen Arten nichts, wenn Massentrachten anderer Pflanzenarten, wie z.B. durch die FAKT-Blühwiesen angelegt werden. Daher haben Schutzprogramme wie z.B. die Blühwiesenanlage in Naturschutzgebieten das Ziel, mehrjährige Blühmischungen auszubringen, die für jene Insekten und Wildbienen benötigte Wildkräuter enthalten und somit den Artenreichtum auch auf Pflanzenebene wieder zu fördern.

Die Anlage von Blühwiesen für Wildbienen benötigt Fachwissen

und noch wichtiger nach der Anlage ist, dass die "Wilde Natur ausgehalten wird - Natur muss ertragen werden". Die Anlage einer Blühwiese ist nicht ganz trivial, aber erlernbar. Jeder Standort ist prinzipiell geeignet, allerdings kann nicht auf jedem Standort das gleiche Saatmaterial verwendet werden. Pflanzen stellen Ansprüche an den Boden, die Bewässerungssituation, den Nährstoff- und Mineralstoffgehalt des Bodens, Lichtverhältnisse und selbst unterschiedliche Windverhältnisse haben Auswirkungen auf das Wachstumsverhalten von Wildpflanzen. Wenn eine bestehende Fläche in eine Blühwiese umgewandelt werden soll, ist bei größeren Flächen der Fachmann gefragt, diese richtig zu bewerten und passendes Saatgut auszusuchen. Bei Kleinflächen reicht es die Vorbereitungs- und Pflegemaßnahmen z.B. von Blühende Landschaften zu beachten und eine passende regionale Mischung einzusetzen. Von dieser Samenmischung wird dann nur ein Teil aufgehen und tatsächlich zur Blüte gelangen, aber dieses Vorgehen ist nicht Sinn der Sache und auch der Grund, weshalb bei der Anlage größere Flächen Experten hinzugezogen werden sollten, zumal diese über Drittmittel finanziert oftmals bei Projekten den Verein oder die Kirchengemeinde oder den Kindergarten nichts kosten und hier oftmals auch über Drittmittel das Saatgut finanziert wird.

Eine professionell angelegte Blühwiese garantiert ein hohes Blüherlebnis und auch eine Bereicherung für die Artenvielfalt. Allerdings sind diese Blühwiesen vorwiegend mit Sorten bestückt, die im zweiten Jahr erstmals zur Blüte gelangen. Je nach Aussaatszeitpunkt kann das im ersten Jahr noch ernüchternd sein. Hier werden dann einjährige Sorten wie Klatschmohn oder Margaritte zugemischt, um dem Laien schon im ersten Jahr erste Blüten zu zeigen. Im zweiten Jahr ändert sich dann das Aussehen dieser Blühflächen.

Weniger Samen ist mehr

und auch Unkräuter gibt es, wobei das Wort Unkraut hier eine andere Bedeutung haben sollte. Bevor eine Blühwiese eingesäht werden kann, muss der Boden von dominanten und überwuchernden Gräsern und Wildpflanzenarten befreit werden. In jedem Boden schlummern Samen. Bricht man Böden z.B. beim Neubau auf, wachsen sofort Klatschmohn und Kornblume, ohne dass hier jemand etwas gesät hat. Und auch nach der Aussaat müssen dominante Kräuter per Handarbeit entfernt werden. Gewisse Samen-(un)kräuter wie z.B. die Ackermelde wird - obwohl in der Samenmischung nicht enthalten - trotz guter Vorbereitung als erstes wieder aufgehen und die Flächen besiedeln. Hier sind Gruppen gefragt und ggf. auch mal Kinderhände, um dem schwachen Grün zum Überleben zu verhelfen.

Doch der wichtigste Gesichtspunkt nach erfolgreicher Aussaat einer Blühwiese ist, dass diese nur einmal im Juni oder besser gesagt, "wenn die Margeriten verblühen" erstmals zu 50% und vier Wochen später der Rest gemäht werden darf und der dann aufgewachsene Bewuchs über den Winter stehen bleiben muss. Zudem sollten einzelne dicke Stängel von Stauden ebenfalls stehen bleiben, denn das Insektenhotel ist eine Erfindung des Menschen und nicht der Natur. Natürlich oberirdisch überwinternde Insektenarten überwintern in diesen dicken, abgestorbenen Blütenstängeln und auch der Bewuchs schützt den Wurzelballen der Pflanzen und die im Boden brütenden Insekten bei Frost. Naturschutz, Artenschutz und schwäbischer Ordnungssinn werden kollidieren, auf dem "aufgräumten Wiesle" lebt es sich schlecht.

Wenn Sie eine Blühwiese anlegen wollen oder Flächen für Projekte bereitstellen können, sprechen Sie uns an. Wir stellen gerne die Kontakte zu den Spezialisten her und einige unserer Mitglieder haben auch entsprechende Fortbildungen besucht. Eigene Projekte sollen in 2020 erstmal umgesetzt werden.